was machst du, wenn du gerade mit einer mitfahrgelegenheit auf dem weg nach hause bist und diese dir doch tendentiell eher unsymphatisch ist?
szenario #1:
fahrerIn: anfang 30, weiblich, haare zum zopf und typ schützenfestbierverkäuferin
fahrzeug: bmw coupé
mitfahrer: zwei: mitte 20, weiblich, ruhig. & mitte 30, männlich, typ ruhiger, psycho-religiöser typ.
beim einsteigen sagt mir die fahrerin, es ist mitte märz, sie hätte “noch winterreifen drauf, daher fahre ich nicht schneller als 130 km/h. ist das ok?”. ich bejahe, und belobige die entscheidung auch mit dem nebensatz, das “man ja auch nicht unbedingt rasen muss, lieber entspannt ankommen.”.
ich setze mich nach hinten und merke nach den ersten paar metern, das ich mit der fahrerin nicht grün werden kann, hole meinen laptop raus und beginne irgendwas zu machen. schnell bereue ich, meine kopfhörer in der großen tasche im kofferraum gelassen zu haben, die musik der fahrerin’ wahl ist offensichtlich so eine art marianne rosenberg, viele anschuldigungen an das männliche geschlecht aus sicht einer resignierten kneipengängerin schallen mir entgegen. auch der typ rechts neben mir schaut komisch und leicht irre, ein umstand, der sich allerdings rasch durch die erkentniss, das dies nicht von der musik erzeugt wird, zu einer latenten bedrohung von rechts entwickelt.
nach ca. 2 stunden fahrt ist der akku meines rechners leer und ich blicke leicht verschüchtert der fahrerin über die schulter um zu erkennen, das sie sich gegen ihre ursprüngliche “130 km/h”-entscheidung gewandt zu haben scheint. gut, denke ich, ein bisschen schneller, es waren ungefähr 150, das geht schon klar.
mit fortschreitender zeit werde ich unruhiger, unterhalte mich bruchstückhaft mit den beiden frauen und beginne mich immer fester an dem beifahrer-griff zu krallen. die fahrerin bestätigt immer häufiger meine vorurteile gegenüber bmw-fahrern: sie bleibt auf der linken spur, fährt was die karre hergibt und macht potentielle bremssituationsverursachende vordermänner durch lichthupe auf sich aufmerksam. weichen diese nicht schnell genug auf die rechte spur aus, wird gerne gaaaaanz nah auf den “gegner” aufgefahren und neben der stark frequentierten lichthupe kommt nun auch endlich die eigentliche hupe eingesetzt.
nach ungefähr 3 1/2 stunden, noch eine stunde zu fahren, kommen wir zu meiner persönlichen peaksituation: nach kurzem stop an einer tankstelle, nervös und rasend schnell eben eine kippe durchgepeitscht, fahren heizen wir mit bereits beschriebener fahrweise weiter, die fahrerin fügt zum licht & hup-orchester beim suizidal anmutenden auffahren auch noch ihre wunderschön anmutendes geschrei hinzu “ooooOOOOHHH VERPISS DICH!!!”.
am ziel angekommen steige ich mit klappernden beinen, einem durchgeschwitzten hemd, herzrasen, einer fast kaputt gedrückten hand und dem dringenden bedürfniss den boden unter meinen füßen zu küssen aus.
szenario #2:
fahrerIn: mitte 30, männlich, mittellanges haar, typ schönling.
fahrzeug: audi sportsback
mitfahrer: eine: ende 20, weiblich, ruhiger aber symphatischer bwl(?)-typ.
die fahrt verläuft im grunde ganz nett, ich sitze vorne, wir unterhalten uns alle über dieses und jenes. hierbei merke ich schon, das der fahrer gerne von dem was er sagt scheinbar grundlos überzeugt ist. ich versuche, die themen so zu lenken, das ich nicht allzuheftig mit ihm zusammenstoße. kurz lauschen wir den nachrichten, es wird über die flutkatastrophe in pakistan berichtet:
fahrer: (sic!) “[...] es könnte ja auch etwas gutes haben, für die pakistaner. [...] ich meine, wir [die deutschen] gehen da jetzt hin und bauen denen brunnen und so, helfen denen [...] vielleicht hat die jetzige generation davon nichts, es sterben da ja sicherlich nicht nur 100.000e, sicher eher mehr, aber die nächste oder übernächste generation könnte davon profitieren. [...] dann haben sie halt eine infrastruktur und so. [...] die haben ja auch jahrelang keinen helfen lassen, ist doch schonmal gut, das die jetzt auch sagen: helft uns! [...] dann kommen ja sicherlich auch die amerikaner, da profitieren die [pakistan] halt auch.”
ich: (leise) “hmmm.” (und wünsche mich weit, weit weg.)
zurück in dresden.
mood?
kaputt.
music?
bon iver – re: stacks